Jahrestagung 2021

Datum: 18.03.2021 als online Veranstaltung via Zoom

Aufgrund der anhaltenden Unsicherheit bezüglich der Corona-Pandemie hat der DGD Vorstand beschlossen, die Jahrestagung 2021 als verkürzte eintägige Online-Veranstaltung durchzuführen.
Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr des letzten Jahres, hat sich unser gesellschaftliches Zusammenleben überraschend verändert und in allen Bereichen des Lebens sehen wir uns mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen erbringt Höchstleistungen, viele Eltern sind nun auch Lehrer*innen und viele Menschen leiden an der sozialen Isolation. Andere Bereiche hingehen erleben einen unerwarteten Bedeutungszuwachs oder erschließen neue Absatzmöglichkeiten. Welche Herausforderungen die Corona-Pandemie aus demografischer Perspektive mit sich bringt ist Schwerpunktthema der diesjährigen DGD Jahrestagung. Wir haben sechs Keynote Speaker eingeladen, die ihre aktuelle Forschung zu den verschiedenen Aspekten im Zusammenhang mit COVID-19 vorstellen.

Darüber hinaus erfolgt die Preisverleihung für den DGD-Nachwuchspreis sowie den Best-Paper Award 2021 und die Preisträger*innen bekommen die Gelegenheit, ihre Forschungsarbeiten vorzustellen.

Schließlich wollen wir auch eine Mitgliederversammlung abhalten, in diesem Jahr unter den gegebenen Umständen erstmalig online. Die Einladungen hierfür erhalten die Mitglieder der DGD in einer gesonderten E-Mail Anfang Februar.

Nachfolgend finden Sie einen Überblick über das geplante Programm.
Hinweis: für nähere Informationen zu den jeweiligen Programmpunkten, klicken Sie rechts auf das Dreieck.

 

9.30 – 9.45 Begrüßung und Einführung
Gabriele Doblhammer, Präsidentin der DGD
9.45 – 10.15 Combining social media and survey methods for health and migration research
Emilio Zagheni, MPIDR
Combining social media and survey methods for health and migration research
Emilio Zagheni, Max-Planck-Institut für demografische Forschung
Moderation: Gabriele Doblhammer

This talk discusses recent developments in the use of social media platforms as a source of data, and as a tool for survey research, in order to improve our understanding of migration and population health, and to support policy decisions. It concentrates on two main components: (i) the use of Facebook data to measure migration and mobility in the aftermath of natural disasters; (ii) the use of Facebook as a tool for survey research, with a focus on methods and initial results for the Covid-19 Health Behavior Survey (CHBS). CHBS is an online survey that was conducted by the Max Planck Institute for Demographic Research daily from Mar. 13-Aug. 12, 2020, resulting in approximately 144,000 completed questionnaires across eight countries in Europe and North America. The survey relied on participant recruitment via targeted advertisement and collected information on people's health, attitudes, behaviors, and social contacts relevant for understanding how people responded to Covid-19 and to physical distancing guidelines. The talk concludes by showing how social media surveys can also be used to assess the validity of passively collected social media data that are increasingly made available by social media advertisement platforms. This opens up new directions for social science research that combines social media analysis and survey methods.
10.20 – 10.50 Explaining attitudes about containment measures during the 2020/2021 CoronaVIRUS pandemic: does the family situation matter?
Claudia Diehl, Uni Konstanz
Explaining attitudes about containment measures during the 2020/2021 CoronaVIRUS pandemic: does the family situation matter?
Claudia Diehl, Universität Konstanz
Moderation: Olga Pötzsch

In the presentation, I analyze opposition towards Covid-19 containment measures by assessing the role of perceived threat from these measures for respondents’ family, economic and health situation. Analyses are based on two waves of survey data from Germany (N = 3258/3201). Measures of self-interest include objective indicators for and subjective perceptions of individual threat from containment measures in the family and the economic sphere and in the health domain. Results show that perceived and objective threat from containment measures for the family increases as the pandemic proceeds in its course while economic and health related threat remain stable. However, neither family nor economic threat have become more important in explaining attitudes about containment measures over time. What matters are rather broader political predispositions such as trust in institutions, including the government. Attitudes are unrelated to local rates of infection or death.
11.00 – 11.30 Eltern zwischen Homeoffice und Homeschooling: Arbeit und Familie während der Coronakrise
Inga Laß, BIB
Eltern zwischen Homeoffice und Homeschooling: Arbeit und Familie während der Coronakrise
Inga Lass, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
Moderation: Olga Pötzsch

Eltern sind durch die Coronakrise in mehrfacher Hinsicht betroffen. Einerseits erfahren sie im Bereich der Erwerbsarbeit die gleichen Veränderungen wie viele andere Beschäftigte: Die einen wechseln ins Homeoffice, die anderen sind in systemrelevanten Berufen besonders stark am Arbeitsplatz gefordert, und wieder andere sind aufgrund von Kurzarbeit, Freistellung oder Arbeitslosigkeit weniger oder gar nicht erwerbstätig. Andererseits sind viele Eltern durch die wiederholte Schließung von Kindertagesstätten und Schulen sowie den Ausfall der Großeltern als Betreuungspersonen phasenweise alleinverantwortlich für die Betreuung und Beschulung ihrer Kinder.
Vor diesem Hintergrund skizziert der Vortrag auf Basis der aktuellen Studienlage die Auswirkungen der Coronakrise – und dabei insbesondere der Kita- und Schulschließungen – auf Eltern mit betreuungspflichtigen Kindern. Im Vordergrund stehen dabei drei Themenbereiche: Erstens wird die Beschäftigungssituation von Eltern untersucht, z.B. bezüglich der Arbeit im Homeoffice und systemrelevanter Berufe. Zweitens steht die innerfamiliale Arbeitsteilung im Fokus und damit die Frage, ob die Krise traditionelle Rollenmuster verstärkt oder eine Neuordnung der Arbeitsteilung zwischen Müttern und Vätern angestoßen hat. Drittens wird untersucht, wie sich die Krise auf das psychische Wohlbefinden von Eltern auswirkt, und welche Risikofaktoren (wie z.B. Geschlecht, Partnerschaftsstatus, Einkommen) ein erhöhtes Belastungsniveau unter Eltern begünstigen.
11.45 – 13.15 Nachwuchspreisträgersession
Vorträge der Gewinner des DGD Nachwuchspreises und des Best-Paper-Awards 2021 mit anschließender Preisverleihung
Moderation: Michaela Kreyenfeld

Einflussfaktoren auf das Freizeitverhalten von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund
in Deutschland. Eine Studie auf Grundlage des Nationalen Bildungspanels (NEPS)

Jessica Donzowa, Max-Planck-Institut für Demografische Forschung (MPIDR)

Hintergrund: Die in Deutschland andauernde Bildungsungleichheit wirkt sich negativ auf die schulischen Leistungen von Familien mit Migrationshintergrund und jenen aus sozioökonomisch schwächeren Schichten aus. Ähnlich zeigt sich bei Jugendlichen für den Bereich der Freizeit ein positiver Zusammenhang zwischen einem höheren sozioökonomischen Status und einer Vereinsmitgliedschaft. Eine geringere Beteiligung besteht auch bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund. In dieser Studie soll anhand der Kapitaltheorie nach Bourdieu (1983) der Einfluss von elterlichen Ressourcen auf die Beteiligung von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund im Alter von 12 bis 16 Jahren untersucht werden.
Methode: Es werden Querschnittsdaten der 4. Startkohorte aus dem Jahr 2010 des Nationalen Bildungspanels verwendet (n= 7.496, davon 16% Migrationshintergrund). Einflussfaktoren auf die Anzahl der Freizeitaktivitäten von Jugendlichen werden mittels einer multinomialen logistischen Regression untersucht. Für die Teilnahme im Sportverein und in religiösen Jugendgruppen werden binär logistische Regressionsmodelle berechnet.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen insgesamt eine Beteiligung von 66% im Sportverein und 21% in einer religiösen Jugendgruppe, mit einer geringeren Teilnahme von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Der höhere Anteil von verheirateten Eltern und ein Wohnort in Westdeutschland bei migrierte Familien, wirken sich positiv auf die Teilnahmechance von Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus. Eine Nicht-Teilnahme lässt sich teilweise über fehlendes Kapital der Eltern erklären. Auf die Teilnahme an mehreren Aktivitäten haben die Unterschiede in der Kapitalausstattung der Eltern jedoch einen geringeren Einfluss und erklären den Migrationsunterschied kaum. Ökonomische Ressourcen werden zur Teilnahme im Sportverein benötigt, nicht aber bei religiösen Vereinen.
Schlussfolgerung: Staatliche Bemühungen zur Reduktion von sozialer Ungleichheit mit einer rein finanziellen Förderung können die Teilnahmechancen für Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund erhöhen, unterschiedliche Vereinsarten erfordern jedoch eine andere Kapitalausstattung. Somit scheint es schwierig universelle Maßnahmen zu finden, welche die Teilnahme aller Jugendlichen fördern.


Unter Verschluss. Zur Geschichte des Suizids in der DDR 1952 – 1990
Ellen von den Driesch, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

Über Suizide in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ranken sich eine Vielzahl an Mythen. Etwa, dass seit den 1970er Jahren Suizide in der DDR nicht mehr gezählt wurden, dass das politische System des Landes für die hohen Suizidraten verantwortlich war oder, dass es in Thüringen und Sachsen eine Art Suizidmentalität gab. Ellen von den Drieschs Dissertation räumt mit diesen Mythen auf. Sie beschreibt das Suizidgeschehen in der DDR und ordnet es in vielfältige sozialwissenschaftliche und historische Bezüge ein.
Ganz allgemein sucht die demographische und soziologische Suizidforschung Antworten auf die Frage, warum sich Suizidraten über Regionen oder bestimmte Gruppen unterscheiden und sich über die Zeit verändern. Für die empirische Analyse dieser Fragestellung brauchen wir vergleichbare und valide Daten, wie sie in der DDR zwar systematisch erhoben, allerdings gleichermaßen auch geheim gehalten wurden. Im Rahmen der Dissertation wurden diese von den DDR-Behörden seit Mitte der 1970er-Jahre unter Verschluss gehaltenen und inzwischen verloren geglaubten Suizidstatistiken in umfangreichen Recherchen in Archivmaterialien wiederentdeckt und in einen Datensatz überführt. Dieser Datensatz erlaubt erstmals eine systematische Analyse der Geschichte des Suizids in der DDR von 1952 bis 1990.
Die Arbeit verfolgt verschiedene Ziele: Sie sensibilisiert anhand der Auseinandersetzung mit vielfältigen Hintergründen für die Thematik der sozialwissenschaftlichen und psychologischen Suizidforschung und schafft einen Informationsgewinn hinsichtlich der Suizidmortalität in der DDR über Raum und Zeit. Die Auswertung des recherchierten statistischen Materials bringt Licht in das Dunkel der geheim gehaltenen DDR-Suizidstatistiken und erlaubt erstmals die Untersuchung der für diese Arbeit gesetzten Forschungsfragen:
-Wie haben sich die Suizidraten in der DDR zwischen 1952 und 1990 in den Bezirken entwickelt?
-Bleiben die Unterschiede über Raum und Zeit auch dann noch bestehen, wenn die Alters- und Geschlechterkomposition in den Bezirken und zu bestimmten Zeitpunkten herausgerechnet werden?
-Inwiefern ging die Suizidmortalität in der DDR mit sozialstrukturellen Faktoren einher?


Die Auswirkungen von Hitze- und Kältewellen auf die Sterblichkeit von Personen mit Demenz in Deutschland
Thomas Fritze
Universität Rostock, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen

Im Zuge des Klimawandels beeinflussen extreme Temperaturen Gesundheit und Sterblichkeit von Personen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Diese Studie untersucht den Effekt von Hitze- und Kälteperioden auf die Sterblichkeit mit Demenz und den Einfluss von Institutionalisierung und Pflegebedürftigkeit.
Abrechnungsdaten der AOK als Deutschlands größter Krankenkasse liefern Informationen aus dem ambulanten und stationären Versorgungsbereich sowie zur Pflegebedürftigkeit. Basierend auf Daten des Deutschen Wetterdienstes werden unmittelbare sowie verzögerte Effekte von Hitze, Kälte und normalen Temperaturen gemessen. Im Rahmen einer Longitudinalanalyse wird anhand von Cox-Modellen das relative Sterberisiko abhängig von der Interaktion zwischen Temperatur, Demenz und Institutionalisierung bzw. Langzeitpflege gemäß Pflegestufen ermittelt. Effekte von Hitze und Kälte werden jeweils in Relation zu normalen Temperaturen gesetzt. Die Modelle kontrollieren für Alter, Geschlecht, Ko-Morbidität, urbanes Wohnen, und Sommer/Winter-Klimazonen. Die Diagnosen zu Demenz und Ko-Morbidität orientieren sich an der ICD-10-Klassifikation.
Die Ergebnisse beruhen auf Informationen von 182384 Personen (Alter ≥65), 1084111 Personenjahren und 49040 Todesfällen zwischen 2004-2010. Bei normalen Temperaturen erlebten Menschen mit Demenz eine um 37% erhöhte Sterblichkeit (p<0,001) im Vergleich zu Personen ohne Demenz. Unmittelbare Hitze-Effekte erhöhten diesen Effekt um 11% (p=0,011). Von einem unmittelbaren Hitze-Effekt besonders betroffen waren Personen bei gleichzeitiger Demenz und physischen Beeinträchtigungen. Für Personen ohne Demenz zeigte sich ein unmittelbarer Hitzeeffekt nur bei Vorhandensein der höchsten Pflegestufe. Unmittelbare und verzögerte Kälte-Effekte erhöhten das Sterberisiko unabhängig von einer Demenz. Pflegestufe und Institutionalisierung hatten dabei keinen modifizierenden Einfluss für Personen mit Demenz.
Die erhöhten Sterberisiken bei extremer Hitze für Personen mit Demenz und erhöhtem Pflegebedarf sowie bei extremer Kälte für alle Älteren unabhängig von Demenz zeigen einen Bedarf für entsprechende Versorgung und Beaufsichtigung von älteren Menschen mit kognitiven und physischen Beeinträchtigungen. Strategien sollten darauf abzielen, den Einfluss von extremen Temperaturen zu mindern und Gesundheitsrisiken vorzubeugen, um somit Todesfälle zu verhindern.


Family formation trajectories across borders: A sequence analysis approach to Senegalese migrants in Europe
Elisabeth Katharina Kraus, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

As migrants from sub-Saharan Africa play an increasingly important role in the demographic, social and cultural developments of European societies, there is a growing interest in their family dynamics. This article examines the relationship between the timing of international migration and family formation trajectories (partnership and fertility) of Sub-Saharan African migrants in Europe. It builds on two of the main mechanisms that link migration with fertility and union formation, namely the disruption and the interrelation of events hypotheses. Longitudinal life-history data from Senegalese migrants in France, Italy and Spain, collected as part of the Migrations between Africa and Europe (MAFE) project, are used. Applying sequence analysis techniques and distinguishing between men and women, individuals are grouped into different clusters according to the (dis-)similarities in their family formation trajectories before and after migration. Furthermore, multinomial logistic regression models are estimated to test associations between individual and contextual characteristics and the obtained clusters. The results show important differences between men and women regarding their migration-family formation trajectories. Moreover, the interrelatedness of family and migration events is more pronounced among women than men. The regression analysis indicates that male and female trajectories are related in particular to age and the country of destination, but there are also differences by educational level.
This study broadens the scope of research on migrant fertility in several ways. First, it shows that the link between migration, union formation and childbearing is highly gendered. Second, it adds to the literature on migrant fertility by exploring the timing of partnership and childbearing trajectories in the pre- and post-migration period. Third, by concentrating on one single origin group from Sub-Saharan Africa migrating toward Europe new insights into the link between the processes of family formation among migrants can be gained.
Mittagspause
14.00 – 14.30 Vorhersage der COVID-19-bedingten Nachfrage nach Intensivbettenkapazitäten: Ein räumliches demografisches Mikrosimulationsmodell
Sebastian Klüsener, BIB; Matthias Rosenbaum-Feldbrügge, BIB
Vorhersage der COVID-19-bedingten Nachfrage nach Intensivbettenkapazitäten: Ein räumliches demografisches Mikrosimulationsmodell
Sebastian Klüsener, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ; Matthias Rosenbaum-Feldbrügge, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
Moderation: Annelene Wengler

Die potenziell hohe Dynamik der COVID-19-Pandemie birgt die Gefahr, dass Gesundheitssysteme rasch an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Dies gilt insbesondere für den Bedarf an Intensivbetten. Neben Impfkampagnen stellen nicht-pharmazeutische Interventionen (NPI) wie etwa das Tragen von Masken oder (Teil-)Lockdowns wichtige Eindämmungsmaßnahmen dar. Politische Entscheidungen über NPIs benötigen belastbare Vorhersagen über die COVID-19-bedingte Nachfrage nach Intensivbetten unter verschiedenen Szenarien der Infektionsdynamik auf Basis unterschiedlicher NPI-Niveaus. Erhebliche subnationale Variation in der COVID-19-bedingten Nachfrage erfordert einen detaillierten räumlichen Ansatz. Wir präsentieren ein räumliches demografisches Mikrosimulationsmodell der COVID-19-Pandemie, welches auf Basis des Susceptible-Exposed-Infectious-Recovered (SEIR) Ansatzes entwickelt wurde. Dieses Modell berücksichtigt regionale Variation in der Infektionsdynamik inkl. potenzieller zukünftiger räumlicher Ausbreitungswege sowie regionale Unterschiede in der Altersstruktur der Bevölkerung. Die Kalibrierung basiert auf subnationalen regionalen Daten zur Entwicklung der Intensivbettenbelegung, womit aktuelle regionale intensivbettenrelevante COVID-19-Dynamiken bestimmt werden. Anschließend werden anhand dieser Informationen Vorhersagen für die nächsten 2 Monate auf der Ebene der 16 Bundesländer erstellt. Um die Vorzüge und Einsatzmöglichkeiten unseres Modells zu demonstrieren, präsentieren wir Vorhersagen für drei verschiedene Stadien der Pandemie. Unsere Ergebnisse zeigen regionale Schwankungen sowohl (1) in dem Effekt der Pandemie auf den Intensivbettenbedarf wie auch (2) in dem Bedarf an NPIs in verschiedenen Stadien der Epidemie auf. Das Modell ist in R programmiert. Es kann auf andere Länder übertragen werden, wenn für diese belastbaren Zahlen zur Intensivbettenbelegung mit COVID-19-Patientinnen und Patienten auf der subnationalen Ebene verfügbar sind.
14:35 – 15:05 Exzess-Mortalität während der Corona-Pandemie in Deutschland
Enno Nowossadeck, RKI; Felix zur Nieden, Statistisches Bundesamt
Exzess-Mortalität während der Corona-Pandemie in Deutschland
Enno Nowossadeck, Robert-Koch-Institut; Felix zur Nieden: Statistisches Bundesamt
Moderation: Annelene Wengler

Die Frage, ob und welchem Ausmaß die Corona-Pandemie zu einer Exzess-Mortalität („Übersterblichkeit“) führt, lässt sich anhand der Daten des Statistischen Bundesamt zu den Sterbefällen insgesamt und den Daten des Robert-Koch-Instituts zu den COVID-19-Todesfällen untersuchen. Der Vortrag liefert Hintergrundinformationen zu beiden Datenquellen. Die Sterbefallzahlen insgesamt werden inzwischen mithilfe einer Hochrechnung nach einer Woche in Form von Rohdaten tages- und wochengenau zur Verfügung gestellt - damit wird eine hochaktuelle Einordnung des Sterbegeschehens in der Corona-Pandemie ermöglicht. In Bezug zur Pandemie lag die Zahl der Gestorbenen im Jahr 2020 sowohl im April als auch ab Mitte Oktober über den durchschnittlichen Werten der Vorjahre. Gleichzeitig waren entsprechende Entwicklungen bei den COVID-19-Todesfällen zu beobachten. Weitere Schlussfolgerungen lassen sich bei einer regionalen Betrachtung der beiden Datenquellen treffen. Die Daten des Statistischen Bundesamtes liegen auf Ebene der Bundesländer vor; die zu den COVID-19-Todesfällen sind auf Kreisebene verfügbar, lassen also differenziertere Aussagen zur Mortalität zu. Das Südwest-Nordost-Gefälle während der ersten Welle im Frühjahr 2020 scheint einem Südost-Nordwest-Gefälle im Winter 2020/21 gewichen zu sein.
15:15 – 15:45 Social disparities in the first wave of COVID-19 infections in Germany: A county-scale explainable machine learning approach
Gabriele Doblhammer, Uni Rostock
Social disparities in the first wave of COVID-19 infections in Germany: A county-scale explainable machine learning approach
Gabriele Doblhammer, Universität Rostock
Moderation: Annelene Wengler

Background: Little is known about factors correlated with the socioeconomic spread of the first wave of COVID-19 infections in Germany. We explored whether the risk of COVID-19 infections differed between regions according to their socioeconomic characteristics.
Data and Method: We used data from the Robert-Koch-Institute on COVID-19 diagnoses differentiating five distinct periods between 1 April and 23 July 2020. For each period we calculated age-standardized incidence of COVID-19 diagnoses on the county. We characterized the regions by macro variables in nine domains: “Demography”, “Employment”, “Politics, religion, and education”, “Income”, “Settlement structure and environment”, “Health care”, “(structural) Poverty”, “Interrelationship with other regions”, and “Geography”. We trained gradient boosting models to predict the age-standardized incidence rates with the macro structures of the counties, and used SHAP values to characterize the 20 most prominent features in terms of negative/positive correlations with the outcome variable.
Results: The first COVID-19 wave started as a disease in wealthy rural counties in southern Germany, and ventured into poorer urban and agricultural counties during the course of the first wave. The negative social gradient became more pronounced from the 2nd lockdown period onwards, when wealthy counties appeared to be better protected. Features related to economic and educational characteristics of the young population in a county played an important role at the beginning of the pandemic up to the 2nd lockdown phase, as did features related to the population living in nursing homes; those related to international migration and a large proportion of foreigners living in a county became important in the post-lockdown period.
Conclusion: High mobility of high SES groups may drive the pandemic at the beginning of waves, while mitigation measures and beliefs about the seriousness of the pandemic as well as the compliance with mitigation measures put lower SES groups at higher risks later on.
15:45 – 16:00 Abschlussdiskussion und Ende der Veranstaltung
Gabriele Doblhammer, Präsidentin der DGD
16:15 – 17:45 DGD Mitgliederversammlung

Die Jahrestagung findet am 18. März 2021 via Zoom statt. Die Teilnahme an der Jahrestagung ist kostenfrei. Bei Interesse bitten wir Sie, sich im Vorfeld für die Tagung anzumelden. Den entsprechenden Zoom-Link senden wir allen angemeldeten Teilnehmern und Teilnehmerinnen kurz vor der Veranstaltung zu.

Die Anmeldung ist bis zum 15. März 2021 möglich.

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Vergangene Jahrestagungen

Jahrestagung 2019 in Bamberg
>> Regionale und sozialstrukturelle Disparitäten – Indikatoren und Befunde
Zeitraum: 13.-15. März 2019
Ort: Universität Bamberg, An der Universität 5
Jahrestagung 2018 in Köln
>> Fertilität, Familie und Generationsbeziehungen
Zeitraum: 14.-16. März 2018
Ort: Köln - Universität, Universitätsstr.
Jahrestagung 2017 in Rostock
>> Alterung - Arbeit - Gesundheit
Zeitraum: 19.-21. September 2017
Ort: Rostock - Universität, Ulmenstraße 69
Jahrestagung 2016 in Leipzig
>> Aktuelle nationale und internationale Herausforderungen der Demografie
Zeitraum: 9.-11. März 2016
Ort: Leipzig - Neues Rathaus, Martin-Luther-Ring 4-6

Jahrestagung 2015 in Berlin
>> Spektrum demografischer Forschung in Deutschland: Herausforderungen - Leistungen - Perspektiven
Zeitraum: 16.-18. März 2015
Ort: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung Berlin, Straße des 17. Juni 112
Jahrestagung 2014 in Berlin
>> Demografie-Strategie: „Work in progress“?
Zeitraum: 12.-14. März 2014
Ort: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung Berlin, Straße des 17. Juni 112
Jahrestagung 2013 in Berlin
>> Soziale Ungleichheit und demografischer Wandel
Zeitraum: 06.-08. März
Ort: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung Berlin, Straße des 17. Juni 112
Jahrestagung 2012 in Berlin
>> Wiederanstieg oder Stagnation der Geburtenraten? Spielräume der Fertilitätsentwicklung und Wandel der Familie
Zeitraum: 14.-16. März
Ort: Berlin‐Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin
Jahrestagung 2011 in Bonn
>> Schrumpfend, alternd, bunter – Antworten auf den demographischen Wandel in Deutschland
Zeitraum: 09.-11. März 2011
Ort: Bundesstadt Bonn, Universität zu Bonn
Jahrestagung 2010 in Rostock
>> Sozioökonomische Unterschiede in der Fertilität und in der Mortalität - Beobachten wir zunehmend Ungleichheiten?
Zeitraum: 03.- 05. März 2010
Ort: Rostock